Ein russisch-deutsches Gemeinschaftsprojekt klärt das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen

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Im Rahmen des russisch-deutschen Gemeinschaftsprojekts „Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Internierte“ leitet das Deutsche Historische Institut in Moskau die Recherchen zu den sowjetischen Kriegsgefangenen. Zum 75. Jahrestag des Sieges der Alliierten über das nationalsozialistische Deutschland werden erstmals digitale Kopien von Unterlagen über sowjetische Kriegsgefangene aus dem deutschen Bundesarchiv an Russland übergeben. Die feierliche Übergabe durch den deutschen Botschafter, Dr. Géza Andreas von Geyr, erfolgt am 6. Mai 2020 um 14 Uhr im Pressezentrum der TASS in Moskau.
Bei den übergebenen Digitalisaten handelt sich um Unterlagen der ehemaligen Wehrmachtauskunftsstelle (WASt) bzw. der Deutschen Dienststelle zu sowjetischen Kriegsgefangenen, die in deutschem Gewahrsam verstorben sind, Krankenunterlagen (Röntgenbilder, Fieberkurven), persönliche Dokumente von Gefangenen, Militärausweise und Personalkarten. Weitere Übergaben werden folgen.
Während des Zweiten Weltkriegs gerieten weit über fünf Millionen sowjetische Soldaten und Offiziere in deutsche Kriegsgefangenschaft. Mehr als drei Millionen fielen den unmenschlichen Bedingungen der Gefangenschaft zum Opfer oder wurden direkt ermordet. Der deutsche Umgang mit sowjetischen Kriegsgefangenen zählt zu den größten Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs. Dennoch hat die Geschichte der sowjetischen Kriegsgefangenen lange Zeit nicht die gebührende Beachtung gefunden. Viele Opfer blieben anonym.
Heute bemühen sich Russland und Deutschland in ihrem Gemeinschaftsprojekt, den sowjetischen Kriegsgefangenen Namen und Biografien zurückzugeben. Das Projekt wurde am 22. Juni 2016 durch eine gemeinsame Erklärung der Außenminister der Russländischen Föderation und Deutschlands, Sergej Lavrov und Frank-Walter Steinmeier, ins Leben gerufen. Das Projekt hat zum Ziel, die individuellen Schicksale zu klären und die entsprechenden Dokumente und Daten für Angehörige, die historische Forschung sowie die Gedenkarbeit zugänglich zu machen. Dafür werden Quellen in deutschen, russischen und internationalen Archiven bearbeitet.
Träger ist auf der deutschen Seite der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., der das Projekt im Auftrag des Auswärtigen Amtes zusammen mit der „Abteilung für die Wahrung des Andenkens an die gefallenen Vaterlandsverteidiger“ im Verteidigungsministerium der Russländischen Föderation koordiniert. Zu den Projektpartnern gehört neben dem DHIM in Russland u.a. die ELAR AG. Die ELAR AG betreibt die russische Datenbank OBD „Memorial“, die die Daten und Dokumente bereitstellt. Auf deutscher Seite betreut die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg die Projektdaten in der Online-Datenbank „Memorial Archives“.

Zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs übergibt das DHI Moskau Daten sowjetischer Kriegsgefangener aus dem Bundesarchiv an Russland.