Tagung Bundeszentrale für politische Bildung – im Fokus Deutsche aus Russland

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Die Bundeszentrale für politische Bildung hat in dem so wichtigen Wahljahr 2017 ihr Interesse an der russischsprachigen Zielgruppe entdeckt. Vor allem der Fall „Lisa“ hatte viele Politiker im Lande wachgerüttet. An den Demos nahmen zwar nur einige wenige Vertreter der Zielgruppe teil, aber plötzlich wurde das Interesse an dem politischen Verhalten der russischsprachigen Bürger bei vielen Beobachtern und Experten geweckt. Jahrelang hatte sich nur eine Partei CDU sich mit den Aussiedlern aus Russland, Kasachstan und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken politisch gekümmert. Nun scheinen die anderen Parteien auch diese Zielgruppe für sich neu zu entdecken. Dabei war diese Zielgrupper eigentlich nicht zu übersehen. Mit rund 2,4 Millionen Menschen stellen die Russlanddeutschen, die seit 1950 als Aussiedler oder Spätaussiedler aus der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten nach Deutschland gekommen sind, die größte Einwanderergruppe, die die deutsche Gesellschaft seit der Zuwanderung der „Gastarbeiter“ aufgenommen hat. Ebenfalls in engen zeitlichen Zusammenhang mit der Auflösung der Sowjetunion siedelten sich seit 1990 ca. 215.000 „Kontingentflüchtlinge“ mit jüdischem Hintergrund in Deutschland an. Schließlich leben gut 230.000 Menschen in Deutschland, die ausschließlich einen russischen Pass besitzen. Die Experten sprechen über etwa 4 Millionen Bürger aus dem ehemaligen Sowjetstaaten. Aber ist diese Gruppe auch politsch aktiv? In den Bundestag gibt es nur einen Politiker, der aus der ehemaligen Sowjetunion stammt – Heinrich Zertik.

Die Bundeszentrale für politische Bildung veranstaltete in Berlin eine Fachtagung zum Thema „Aussiedlung, Beheimatung, Politische Teilhabe – Deutsche aus Russland in Wechselwirkung mit russischsprachigen Gruppen in Deutschland“. Eröffnet wurde die Fachtagung vom Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB und der Fachabteilungsleiterin der Bundeszentrale für politische Bildung, Dr. Caroline Hornstein-Tomic. Die Rede von Hartmut Koschyk und seine ehrliche und deutliche Aussagen auf dem Plenum sorgten für den Beifall im Saal.

Neben Bundesbeauftragten Hartmut Koschyk MdB nehmen neben dem aus Kasachstan stammende Bundestagsabgeordnete Heinrich Zertik MdB und der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Petra Pau MdB, u.a. auch Vertreter von Organisationen und Institutionen der Russlanddeutschen, darunter der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Waldemar Eisenbraun, sowie Vertreter von Universitäten, von katholischer, evangelischer, freikirchlicher, russisch-orthodoxer und jüdischer Gemeinden und aus dem Bereich der Medien und der lokalen Politik an der Fachtagung teil.

Fotos: Dmitrij Grebenschikow