Kultur- und Erinnerungstage 2026 in Berlin

Mit mehr als 600 Besucher sowie Mitwirkenden sind die Kultur- und Erinnerungstage 2026 am Samstag, 22. August, mit dem Eröffnungsfestival „Gemeinsam Stärker“ in der Urania Berlin eindrucksvoll gestartet. Das Festival entfaltete ein Feuerwerk der Kultur: Unterschiedliche Generationen der Deutschen aus Russland, Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler sowie Vertriebene kamen zusammen und erlebten ein vielfältiges Programm – von klassischer Musik über traditionelle kulturelle Beiträge bis hin zu modernem Tanz. Der gelungene Auftakt machte kulturelle Vielfalt, Begegnung und den Austausch zwischen den Generationen eindrucksvoll erlebbar.

Die von der Ansprechperson für Deutsche aus Russland, Spätaussiedler und Vertriebene, Walter Gauks, initiierten Kultur- und Erinnerungstage finden noch bis zum 5. September an zahlreichen Orten in Berlin statt.

Das weitere Programm umfasst unter anderem Kranzniederlegungen, Konzerte, Fachgespräche, Sonderführungen und kulturelle Begegnungen an zentralen Orten der Stadt. Die Veranstaltungsreihe soll den Dialog zwischen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft stärken. Zugleich steht sie für eine lebendige Erinnerungskultur, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die gemeinsame Verantwortung für Freiheit und Demokratie.

Den Höhepunkt der Erinnerungstage bildet die Gedenkveranstaltung am 28. August im Roten Rathaus. Auf der Veranstaltung werden der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, die Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, Cansel Kiziltepe, der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius, und die Ansprechperson für Deutsche aus Russland, Spätaussiedler und Vertriebene, Walter Gauks, sprechen.

Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin: „Deutsche aus Russland, Spätaussiedler und Vertriebene haben in den vergangenen Jahren in Berlin eine neue Heimat gefunden und bereichern seitdem unsere Stadtgesellschaft. Viele von ihnen haben großes Unrecht und Ausgrenzung erlebt, bevor sie nach Berlin kamen. Dieses Leid dürfen wir nicht vergessen: Denn wer erlebt hat, wie Freiheit genommen wird, weiß, wie entschlossen wir unsere Freiheit und Demokratie schützen und verteidigen müssen.“

Cansel Kiziltepe, Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung: „Rund 300.000 Deutsche aus Russland, Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler, Vertriebene und deren Nachkommen leben heute in Berlin. Ihre Biografien, ihre Kultur und ihre Lebensleistungen prägen unsere Stadt nachhaltig. Viele von ihnen engagieren sich ehrenamtlich, ihre Perspektiven und Erfahrungen bereichern unsere Stadtgesellschaft. Die Erinnerungstage sollen diese Vielfalt hautnah erlebbar machen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.“

Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten: „Die Erinnerung ist kein bloßes Zurückblicken. Sie ist Auftrag und Verpflichtung zugleich: den Opfern gerecht zu werden, die Geschichten der Familien zu bewahren und die Lehren dieser dunklen Kapitel in unser gegenwärtiges Handeln zu übersetzen.“

Walter Gauks, Ansprechperson für Deutsche aus Russland, Spätaussiedler und Vertriebene: „Erinnerung bedeutet für mich, Unrecht klar zu benennen und Leid anzuerkennen, ohne es gegeneinander aufzurechnen oder auszuspielen. Wir erinnern, ohne zu trennen, und richten den Blick gemeinsam nach vorn. Mit den Kultur- und Erinnerungstagen machen wir Geschichte und Lebensleistungen sichtbar, bringen Generationen miteinander ins Gespräch und übernehmen Verantwortung für Menschenwürde, Zusammenhalt und unsere demokratische Zukunft.“

Hintergrund

Anlass der Erinnerungstage ist der 85. Jahrestag des stalinistischen Erlasses vom 28. August 1941. Als Folge des Überfalls des nationalsozialistischen Deutschlands auf die Sowjetunion stellte die stalinistische Führung die dort lebenden Deutschen kollektiv unter Generalverdacht. Der Erlass leitete ihre massenhafte Deportation sowie jahrzehntelange Repressionen, Zwangsarbeit und Entrechtung ein. Einen weiteren wichtigen historischen Bezugspunkt bildet die Charta der deutschen Heimatvertriebenen von 1950. Mit ihrem Verzicht auf Rache und Vergeltung sowie ihrem Bekenntnis zur europäischen Verständigung setzte sie ein bedeutendes Zeichen für Versöhnung, Frieden und ein geeintes Europa.