Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) erteilt den Plänen zu einem „Deutschland-Korb“ eine deutliche Absage: „Finger weg von staatlichen Eingriffen in den Markt. Preise sind Sache der Unternehmen und werden vom Markt gesteuert“, sagte DRV-Hauptgeschäftsführer Jörg Migende im Vorfeld der Grünen Woche in Berlin. Gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der AGRAVIS Raiffeisen AG, Dr. Dirk Köckler, und dem Vorstandsmitglied der WESTFLEISCH SCE mbH, Michael Schulze Kalthoff, warnte Migende davor, den Boden der Sozialen Marktwirtschaft und deren Prinzipien zu verlassen: „Aufgabe des Staates ist es, verlässliche Rahmenbedingungen, Rechtssicherheit und Infrastruktur zu gewährleisten – ohne zu stark in die Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage einzugreifen.“ Und mit Blick auf die Pläne der EU im Bereich der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) ergänzte er: „Dies gilt für die deutsche Politik ebenso wie in Europa. Für planwirtschaftliche Gedankenspiele ist in unserer Wirtschaftsordnung kein Platz.“
DRV, Agravis und Westfleisch plädierten im gemeinsamen Mediengespräch zur Grünen Woche an die Bundesregierung, die Verkehrs- und digitale Infrastruktur zügig zu stärken und auszubauen. Hierbei müssten die Anforderungen der Agrar- und Ernährungswirtschaft in den ländlichen Räumen berücksichtigt werden. Migende: „Lebensmittel wachsen nicht im Supermarkt und auch Bioenergie bedeutet Transportaufwand. Daher ist eine intakte Infrastruktur zwingend notwendig.“ Hierbei dürften die ländlichen Räume und die Bedeutung von Straßen, Schiene und Wasserwegen für den Güter- und Warentransport nicht vergessen werden. „Die 500 Milliarden Euro Sondervermögen für Infrastruktur müssen spürbar in die Lebensmittel-Versorgungssicherheit einzahlen“, so der DRV-Hauptgeschäftsführer. Dazu zähle auch, ländliche Räume als Innovationsräume zu sichern – und den digitalen Ausbau voranzutreiben.
Agravis-Vorstandsvorsitzender Köckler machte in diesem Zusammenhang deutlich: „Bei Agravis glauben wir an die ländlichen Räume, investieren dort in unsere Infrastruktur sowie digitale Lösungen und setzen auf eine innovativ-nachhaltige Landwirtschaft. Allein im Jahr 2025 haben wir mehr als 76 Millionen Euro investiert – in moderne Standorte, Arbeitsplätze und Innovationen.“ Köckler hob die Bedeutung der Schifffahrt hervor: „Investitionen in Wasserstraßen sind existenziell für unsere Wirtschaft. Wasserstraßen sind Lebensadern für den Transport von landwirtschaftlichen Gütern – und das nachhaltig.“ Darüber hinaus mahnte er an, bei Investitionen den ländlichen Wirtschaftswege-Ausbau nicht zu vergessen. Generell unterstrich Dr. Köckler die positive Grundhaltung: „Wir bleiben weiterhin unternehmerisch optimistisch. Für uns ist das Glas halb voll – wir müssen die Chancen ergreifen, die sich ergeben. Unternehmerische Zuversicht darf keinen Raum lassen für Zukunftsangst.“
In der Woche vor der geplanten Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens gingen DRV und die genossenschaftlichen Unternehmen auf die Bedeutung des Exports für die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft ein. „Rund ein Drittel der Wertschöpfung in unserer Branche wird im Drittlandexport erzielt. Daher begrüßen wir das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten. Die Chancen überwiegen“, betonte Migende.
Eine Einschätzung, die auch Westfleisch-Vorstand Schulze Kalthoff teilt: „Ein erheblicher Teil der für Fleisch geplanten Kontingente findet bereits heute den Weg aus Mercosur-Staaten zu uns nach Deutschland. Die mit dem Abkommen verbundenen Mengen sehen wir als beherrschbar an.“ Es sei jedoch zwingend notwendig, dass die hohen deutschen Standards bei Tierwohl und Tiertransport, Umweltschutz und Nachhaltigkeit vergleichbar auch für ausländische Ware gelten. Schulze Kalthoff: „Unsere hohen Standards dürfen bei Importen aus Ländern mit deutlich niedrigeren Anforderungen nicht unterlaufen werden. Es müssen gleiche Regeln für alle gelten – unabhängig des Herkunftslands.“
Positiv sieht Schulze Kalthoff die vorgelegte Agrarexportstrategie von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer: „Die Agrarexportstrategie ist Chefsache. Gut so! Das ist ein erkennbarer Richtungswechsel und ein deutliches Zeichen an exportorientierte Unternehmen wie uns. Wir bedienen den Wochenmarkt ebenso wie den Weltmarkt.“ Nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Vermarktung des gesamten Tiers brauche es zwingend Auslandsmärkte – allen voran China. Migende: „Angesichts eines deutschen Rekord-Außenhandelsdefizits mit Produkten der Agrar- und Ernährungswirtschaft von rund 25,4 Milliarden Euro im Jahr 2025 ist es dringend notwendig, die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu stärken und neue Absatzmärkte zu erschließen.“
Über den DRV
Der DRV vertritt die Interessen der genossenschaftlich orientierten Unternehmen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Als wichtiges Glied der Wertschöpfungskette Lebensmittel erzielen die 1.635 DRV-Mitgliedsunternehmen in der Erzeugung, im Handel und in der Verarbeitung von pflanzlichen und tierischen Erzeugnissen mit rund 110.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Umsatz von 77,8 Milliarden Euro. Landwirte, Gärtner und Winzer sind die Mitglieder und damit Eigentümer der Genossenschaften.
Über Agravis
Die AGRAVIS Raiffeisen AG ist ein modernes Agrarhandelsunternehmen in den Segmenten Agrarerzeugnisse, Tierernährung, Pflanzenbau und Agrartechnik. Sie agiert zudem in den Bereichen Energie und Raiffeisen-Märkte einschließlich Baustoffhandlungen sowie im Projektbau. Die AGRAVIS-Gruppe erwirtschaftet mit über 7.000 Mitarbeitenden rund 8,5 Mrd. Euro Umsatz und ist als ein führendes Unternehmen der Branche mit mehr als 400 Standorten überwiegend in Deutschland tätig. Internationale Aktivitäten bestehen über Tochter- und Beteiligungsgesellschaften in mehr als 20 Ländern und Exportaktivitäten in mehr als 100 Ländern weltweit. Unternehmenssitz ist Münster. www.agravis.de
Über Westfleisch
Westfleisch ist einer der führenden Lebensmittelproduzenten Europas: 7.200 Mitarbeitende, 5.100 bäuerliche Mitglieder, 3,4 Mrd. Euro Umsatz und moderne Betriebe liefern hochwertige Fleischprodukte aus regionaler Herkunft – für Genussmomente in Deutschland und darüber hinaus.